einzeln mit vielen sein

Das Experiment ist als Format der Untersuchung ein notwendiges Werkzeug um dem was wirklich und gültig erscheint näher zu rücken. Das Konzept als Raum gedanklicher Freiheit ist Ursprung und Werkzeug des Experiments.
Mit der Architektur des von uns erschaffenen Raumes erzeugen wir uns eine Wirklichkeit, die rückwirkend, wie in einer Schleife, wieder die Wirklichkeit bestimmt, aus der sie entsteht.
Von Menschen gemachter Raum ist wie ein Sprechen vom Menschen mit sich selbst. Und deshalb lässt sich aus ihm die Ordnung der Welt erkennen, die Faktoren der Macht und Ohnmacht.

Einzeln mit vielen sein (Slitspace und gemeinsames Sichtvolumen) ist ein Fragen, ein Reflektieren über das Theater als Ort von gemeinschaftlicher Erfahrung und Kommunikation.
Die Relation von der Bühne zum Zuschauerraum ist, gemessen an ihrer Entwicklungsgeschichte, ein Hinweis für gesellschaftliche und politische Strukturen.
Mit einem experimentellen Theaterraumkonzept wird die Kommunikation von den Zuschauern untereinader und mit den Darstellern und das Verhältnis vom Sehen zum Erleben erforscht.
Kommunikation und Sehen werden zu Gunsten von Privatheit, Begrenzung eingeschränkt, der Körper als Kommunikationsinstrument wird behindert aber auch geführt. Das Blickfeld jedes einzelnen wird infolge dieser Einschränkung berechenbar.
Die Überschneidung aller Sichtvolumina, das gemeinsame Sichtvolumen, ergibt die Form der Bühne.

 

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114 Sichtkegel, C – Print, 2009

 

 

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114 Sichtkegel, C – Print, 2009

 

 

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114 Sichtkegel, C – Print, 2009

 

 

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Zuschauerraum, C – Print, 2009

 

Zygmunt Baumann beschreibt Gemeinschaft als einen Begriff mit dem eine starke Stimmung mitschwingt, er hat viel mit Wunschvorstellungen zu tun. Niemand ist uns in der Gemeinschaft fremd, das Wort klingt süß, eine Gemeinschaft ist per se gut. Eine Gemeinschaft beschützt uns vor den Gefahren, die draussen auf der Strasse lauern. Gemeinschaft als Wort ist Synonym für ein verlorenes Paradies, denn es beschreibt nicht den Ort an dem wir leben, sondern eher eine Sicherheit, Zuversicht oder Wärme, die wir vermissen. An die Stelle wirklich erfahrener Gemeinschaft treten laut Baumann Konstruktionen von Identität, die er als „Surrogat für Gemeinschaft“, für unsere angeblich „natürliche“ Heimat, bezeichnet.
Gemeinschaft bedeutet aber auch ein Hineingestelltwerden und Vorbestimmtsein. Wir haben alle am Selben teil, getrennt voneinander und temporär begrenzt, jedoch unter ähnlichen Bedingungen der Wahrnehmung. Diese Vorstellung hat etwas Tröstliches. Gemeinschaft ist keine utopische Konstruktion, sie ist Mitgift des Seins.

 

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Zuschauerraum, C – Print, 2009

 

 

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Zuschauerraum und Sichtkegel, C – Print, 2009

 

 

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Theater, C – Print, 2009

 

 

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Gemeinsames Sichtvolumen, C – Print, 2009

 

 

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Gemeinsames Sichtvolumen, C – Print, 2009

 

 

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Gemeinsames Sichtvolumen, C – Print, 2009

 

 

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Gemeinsames Sichtvolumen, 3D – Print, 2009